Nicht krank und doch betroffen

Kaufsüchtige bekommen ihre Sucht nicht von Ungefähr. Es ist der Wunsch nach Anerkennung, Liebe und Respekt. Oft liegen die Ursachen in der Erziehung. Man hört oft Sätze wie beispielsweise „Das kannst Du nicht“, „Das schaffst Du nie“, „Du bist zu blöd“, mit denen man zum Versager gestempelt wird.

Kaufsüchtige sind sensible Menschen, meist mit einem Gefühl der Wertlosigkeit, die sich durch Schicksalsschläge, Stress, Misserfolge, Krankheit, Tod oder Trauer langsam in diese Sucht begeben. Damit wird sich Anerkennung „erkauft“. Die Nähe und Zuneigung holt man sich in den Geschäften. In so einem Kauf-Moment ist man „Wer“.

Kaufsucht ist eine Sucht, die man vor anderen versteckt. Darüber sprechen kann man schon gar nicht. Gesundheitlich wehrt sich der Körper mit innerer Unruhe, Schlafstörungen, Schmerzen, Depressionen und Existenzängsten. Nach und nach geht alles kaputt: Der Freudenkreis, die Partnerschaft. Man zieht sich in sein Inneres zurück, hat keine Interessen mehr für andere Dinge, aber hohe Schulden. Die Gedanken kreisen Tag und Nacht nur noch um das Kaufen. Es
treibt einen fast zum Wahnsinn. Man befindet sich im Widerstreit mit sich selbst, der Verstand mahnt zur Zurückhaltung, doch die Sucht ist sehr stark. Ein Teufelskreis beginnt. Die Persönlichkeit wird geteilt. Es entsteht ein Wechselbad der Gefühle, der Verstand setzt förmlich aus. Nur noch das Kaufen gibt einem ein Glücksgefühl.
Gleich nach diesem Hochgefühl entstehen Ängste. Hat mich jemand gesehen? Werde ich
beobachtet? Wo und wie bringe ich die gekauften Dinge nach Hause und kontrolliert mich
jemand? Hitzewallung und Nervosität machen sich breit. Dann kommt das Schamgefühl. Und das schlechte Gewissen, sich nicht einzugestehen, dass dieses Einkaufen krankhaft ist. Die Wahrheit wird verdrängt — man will es nicht wahrhaben.
Wie oft sagen die Betroffenen sich: „Ab morgen kaufe ich nichts mehr, und ich werde das schon schaffen!“. Das ist die erste große Überschätzung, denn ohne fremde Hilfe ist dies nicht zu meistern. Erst durch Einsicht der
eigenen Kaufsucht und Mut zur Bekennung sowie durch das Offenlegen der Schulden gibt es einen Weg zur Gesundung mit Hilfe von Therapeuten, Selbsthilfegruppen und Neurologen.
In den letzten Jahren tut sich auf diesem Gebiet einiges, doch noch immer nicht genug. Niemand sucht sich diese Sucht aus Jux und Dollerei aus. Diese Sucht ist ein Hilfeschrei. Es ist wichtig zu hinterfragen, wie man in diesen Strudel hineingeraten ist.
Nur wir können erklären, warum es so ist. Es ist eine eigenständige Krankheit, mit all ihren Nebenwirkungen und Ausmaßen.
Die Sucht lässt mich werden, so wie ich jetzt bin, die Sucht will, dass ich es tue.

Sind Sie neugierig? Wir haben eine Selbsthilfegruppe gegründet, in der wir uns gegenseitig unterstützen und austauschen, unabhängig von Alter und Geschlecht.

Anmeldung unter info@kaufsucht-mannheim.de

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